recent collaborations GOETZIN2020 THEATER LIVE STREAM in Zusammenarbeit mit JAN STRUCKMEIER Man spürt die Reise oder wie ein Chor im Film auftreten kann Als Dokumentarfilmer beschäftigt mich die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Bildern und nach der Logik, mit der Filmbilder bestimmen, wie sie wahrgenommen werden. Als mich Jan Struckmeier und Lara Schubert im Februar 2020 besuchten, um zu fragen, ob ich Interesse hätte, für die GOETZIN 2020 zusammenzuarbeiten und mir von der Idee eines Chors, der über mehrere Videoprojektionen „den Raum betritt“, erzählten, war bald entschlossene Sache, dass wir eine dokumentarische Ästhetik brauchen und zusammenarbeiten würden. Die Proben fanden im Norden Münchens in und neben einer alten Scheune statt und ich war als Dokumentarist oft einfach mit dabei, wodurch die Unterscheidung von Probe und Schauspiel bald fast ganz verschwand und viele Momente durch ihren Charme und die Spannung eines ersten Versuchs gleich zum endgültigen Film werden konnten. Als sich dieses Gefühl in der Gruppe durchsetzte, dass jeder Moment im Film landen kann und der ganze Acker eigentlich eine große Bühne ist, wurde das Geschehen am „Set“ immer lebendiger und verlor nur selten seine theatrale Spannung. Es entstanden Bilder, die derjenigen, die sie sieht, viel Raum lassen, um sich dem Gezeigten mit einer gefühlten Freiwilligkeit zu nähren. Wird das Vertrauen zum Bild auf diese Art eingegangen, entwickelt dieses eine ganz andere und unwiderstehliche Kraft von Empathie, wie es eine noch so immersive Fiktion kaum je vermag. So bewegt sich die Kamera bei GOETZIN 2020 oft in respektvoller Distanz, mit dem Ziel, dem Chor fast zu nah sein zu können. Eine andere Szene, die durch das Video auf die Bühne und zum Publikum gebracht werden musste war die Reise auf den Spuren des historischen Götz von Berlichingen. Diese führte zu den Artefakten seines Lebensumfelds, zu den Burgen und in die Städte des 16. Jahrhunderts, zu seinem ehemaligen Wohnsitz in Burg Hornbach und zur Burg Wildenberg, die er mit den Bäuerinnen stürmte. Aber Bildern dieser Burgen und Orte, statisch abgefilmt und ohne Menschen, fehlt eine Relation. Es braucht motivierte Bewegung – einen „Sturm auf die Burg“. Die historischen und räumlichen Dimensionen mussten erzählt werden, sonst drohte ein einschläfernder und vor allem austauschbarer Teil des Videos zu entstehen. Wir mussten also diese unsere Reise ins Grenzgebiet des heutigen Unterfranken und nördlichen Württemberg ebenso mit dem Charme des Dokumentarischen behandeln und uns selbst als Figuren inszenieren und erzählen. Genauso war es bei der Reise mit Theresa und Anne zum Odeonsplatz, wo wir um 3 Uhr morgens auf die Dämmerung warteten, bis der alte Sessel seinen Auftritt hatte und Theresa darauf sitzend zu lesen beginnt. Dass diese Bilder „echt“ sind, steht außer Frage, aber der Versuch, dass diese „Echtheit“ Nähe und Verbundenheit zu den gezeigten Menschen hervorruft, ist oft ein flüchtiges Unterfangen und unmöglich ohne die Situationen, in der alle aufmerksam den Moment beobachten. Wir sind fast alle übersättigt mit Aufnahmen von fremden Orten, aber eine Reise zu erzählen, macht uns die Bilder, die dabei entstehen, zu eigen. Einerseits, weil sie bei den Reisenden unmittelbar ins Gedächtnis einsickern und sich mit der Erinnerung an das Erlebte vermischen, andererseits weil jedes Bild so die Kraft des persönlichen Moments in sich aufnimmt – das ist spürbar: auch zu anderer Zeit und in einem anderen Raum. works as cinematographer, see the following links LOUIS XXI 2021 With Filipe Carvalho, Patrik Thomas and the RANDOM COLLECTIVE LINK Ambient du Passage 2021 with Kalas Liebfried und Nicola Kötterl LINK POSESSION 2021 with Laura Leppert LINK GÖTZIN2020 2020/2021 With Jan Struckmeier LINK FORECAST 2019 with Laura Leppert LINK